#WagEs. Aber was wage ich wirklich?

FIELFALT ist eine Community für Frauen, die etwas wagen (wollen). Der ich seit Anfang diesen Jahres auch angehöre. Die ich sehr schätze, da sie Frauen zusammenbringt - im digitalen wie im analogen Leben. Über die ich schon viele spannende Frauen kennen lernen durfte. Die mich dabei unterstützt hat, dass mein eigenes Wagnis Wirklichkeit wurde. Im Rahmen der gestarteten Blogparade #WagEs habe ich mir daher Gedanken zu dem Thema gemacht.

 

Denn auch ich gehöre zu den Frauen, die es gewagt haben, sich selbstständig zu machen. Und das obwohl ich “schon” 45 Jahre alt bin. Und ein Kind habe. Und alleinstehend bin. Und aus einem sicheren und unbefristeten Arbeitsverhältnis komme.

 

Ja bin ich denn verrückt? All diese Sicherheit für ein bisschen innere Zufriedenheit und Selbsterfüllung aufzugeben?

Was brauchte ich für diesen Schritt?

 

Mut.

Den hatte ich schon immer. Habe ich doch als kleine Rotznase meine ältere Schwester gegenüber meinem Vater verteidigt, der sie ein bisschen gepiesackt hatte: “Wenn du meine Schwester nicht in Ruhe lässt, hau ich dir ein paar in die Fresse!” Er hat sie in Ruhe gelassen.

 

Selbstbewusstsein.

Hatte ich auch schon immer. Als Kind habe ich Skier zu Weihnachten bekommen, schnallte sie mir im Wohnzimmer um und krähte: “Ich kann Skifahren!”.

 

Das Einfach-machen-Gen.

Habe ich auch schon bewiesen. Denn ich war ja schon mal selbstständig. Als Tour-Bookerin und habe Tourneen von Metalbands quer durch Europa organisiert. Und ging damit so richtig pleite. Es hat Jahre gedauert, die Schulden abzuzahlen.

Scheitern und irgendwie weiter machen, um im Nachhinein zu sehen, dass ich es schaffe, habe ich also schon einmal durch.

 

Sicherheit.

Die habe ich. Durch den Gründungszuschuss, den ich bekomme. Durch das soziale Netz in Deutschland. Wenn alles schief geht, suche ich mir wieder einen Job. Mit meiner Berufserfahrung und aufgrund meines großen Netzwerks weiß ich, dass ich etwas finde. Wirtschaftlich geht es meinem Land gut - ich muss mir keine Sorgen machen.

 

Was wage ich denn nun tatsächlich?

 

Wagen nicht die Menschen, die alles hinter sich lassen, um in einem fremden Land ein neues Leben anzufangen, viel mehr? Die sich in ein kleines Schlauchboot setzen um im Dunkeln über das Meer zu fahren - und nicht wissen, ob sie ankommen? Nicht wissen, ob sie je ihre Familie wieder sehen werden? Die Kinder und Jugendlichen, die von ihren Eltern alleine auf eine ungewisse Reise geschickt werden - einfach nur, damit es ihnen besser geht als zu Hause? Damit sie die Chance auf ein glückliches Leben und Arbeit haben? Die Frauen, die sich in vielen Ländern gegen ihre Unterdrückung auflehnen und damit ihr Leben riskieren?

 

Was wage ich denn schon, in Angesicht dieser Wagnisse?

Kann man den Grad des Wagnisses überhaupt messen?

 

 

Etwas wagen bedeutet laut Duden folgendes:

Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/wagen
Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/wagen

Also was ist es dann, warum ich sage “ich wage etwas”. Ist es diese Unsicherheit im Bauch, die dann doch manchmal hochkommt? Diese Unsicherheit, nicht zu wissen, welche Einnahmen ich im nächsten Monat haben werde? Ist es der Zweifel, ob ich das denn wirklich schaffe und erfolgreich sein werde? Ist es der Selbstzweifel, ob ich gut genug bin? Ob meine Strategie, meine Positionierung erfolgreich sein werden?

 

Ja, es ist genau dieser Kitzel. Der manchmal Angst macht, aber irgendwie auch geil ist.

 

Ich lebe nun mal hier in meinem Kosmos. Und auch hier ist es eben nicht selbstverständlich aus den gewohnten und sicheren Bahnen auszubrechen. Schon gar nicht in meinem Alter. Als Frau. Als Mutter. Und ja, auch in mir dreht sich ab und zu das Karussell im Kopf “was ist wenn”.

Ja, ich wage derzeit etwas - begebe mich auf das unsichere Eis der Selbstständigkeit. Gehe Risiken ein. Weiß nicht, ob ich erfolgreich sein werde.

 

In wackeligen Momenten  besinne ich mich dann darauf, in welchem Umfeld und in welchem Land ich lebe. Und dass ich nicht um mein Leben, sondern nur um ein bisschen Luxus bangen muss.

Dann bin dankbar, dass ich so leben darf. Und genieße mein Wagnis.

 

 

Nur etwas demütiger und nachdenklicher.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0